Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Ruscheinsky, sehr geehrte Herren Bürgermeister,
sehr geehrte Stadträt*innen, liebe Chemnitzerinnen und Chemnitzer,
haben Sie letzte Woche auch die guten Nachrichten aus Dresden für unsere Wissenschaftseinrichtungen vernommen? In seiner Gratulation an die TU Dresden zur Verteidigung des Exzellenz-Status verkündete Wissenschaftsminister Gemko: Davon profitiere das ganze Wissenschaftsland Sachsen.
Ich bin dafür, dass wir ihn beim Wort nehmen. Denn wenn wirklich ganz Sachsen profitiert, dann muss das auch für unsere Technische Universität Chemnitz gelten. Und genau da liegt das Problem.
Während in Dresden von Strahlkraft gesprochen wird, sinken die Mittelzuweisungen für die TU Chemnitz in Millionenhöhe. Das Rektorat reagiert mit einem Sparprogramm – und der zentrale Hebel sind Personaleinsparungen. Stellen, die frei werden, sollen nicht nachbesetzt oder nicht verlängert werden.
Im Raum stehen bis zu 200 Stellen. In der Praxis betrifft das mehrere hundert Personen des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das ist ein Einschnitt, der sich nicht irgendwo in der Verwaltung versteckt, sondern direkt in Hörsälen, Laboren und Forschungsprojekten ankommt.
Und ich finde, wir sollten das auch klar benennen: Das ist kein vorsichtiges Haushalten mehr. Das ist ein Abbau von Substanz. Und damit sind wir mitten in der Verantwortung hier vor Ort.
Herr Oberbürgermeister Sven Schulze, Sie haben die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt zur Chefsache gemacht. Sie sprechen immer wieder von Innovation, Ansiedlungen und Fachkräften. Aber dann müssen wir auch ehrlich sein: Diese Ziele sind ohne eine starke TU Chemnitz nicht zu erreichen.
Eine Universität ist kein „nice to have“. Sie ist das Fundament. Wenn wir zulassen, dass dieses Fundament Risse bekommt, dann werden wir die Folgen sehr deutlich spüren: bei fehlenden Fachkräften, bei ausbleibenden Investitionen, bei sinkender Attraktivität. Denn die TU Chemnitz spielt eine entscheidende Rolle, wenn wir junge Menschen in der Stadt behalten wollen.
Unser Appell ist deshalb klar: Setzen Sie sich gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten gegenüber dem Freistaat Sachsen dafür ein, dass die Personalausstattung der TU Chemnitz gesichert wird. Stellen Sie sich gemeinsam mit Vertreter*innen aus der Wirtschaft vor unsere Uni. Und bringen Sie das Thema auch beim Masterplan Südwestsachsen an. Die Entwicklung der TU Chemnitz ist für die ganze Region wichtig.
Wir brauchen eine Finanzierung, die reale Kostensteigerungen abbildet.
Wir brauchen Planungssicherheit statt Stellensperren.
Und wir brauchen Transparenz über das tatsächliche Ausmaß der Einschnitte.
Denn wenn wir den Satz des Ministers ernst nehmen – dass ganz Sachsen von starken Hochschulen profitiert – dann darf Chemnitz dabei nicht die Ausnahme sein.
Oder anders gesagt: Strahlkraft für das ganze Land funktioniert nur, wenn sie nicht auf Kosten einzelner Standorte entsteht.
Vielen Dank.
– es gilt das gesprochene Wort –

